Die ersten Zähne

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Ach wie oft habe ich dieses unleidliche Zähne kriegen schon verflucht. Gerade jetzt plagen den kleinen Tiger nebst dieser fiesen Erkältung auch noch die letzten vier Zähne, die noch kommen sollen (die Backenzähne sollen ja nebst den Eckzähnen die Fiesesten sein. Autsch). Zähne kriegen, eine gefühlte Never-Ending-Story. Aber bestimmt ist auch dieser Meilenstein bald geschafft…Die Ratgeber-Skala verspricht zumindest Vollendung bis zum 30. Lebensmonat. Dann sollten alle Zähne weiss blitzen. Sofern man sie natürlich immer schön fleissig putzt. Von Anfang an. Bis sie dann mit ca. 6 Jahren wieder ausfallen werden. Na toll. Immerhin weniger bis gar nicht schmerzhaft und mit Zahnfee im Gepäck. Yeah.

Als ich die ersten Symptome für den Beginn des Zahnens wie z.B. übermässiges Sabbern oder wie verrückt auf allem möglichen herumbeissen beim kleinen Tiger bemerkte, war er drei Monate alt. Bis die beiden ersten weissen Spitzen dann herausgeschaut haben und zum Einsatz gekommen sind, vergingen jedoch nochmals sechs Monate. Gemäss Babyalbum. So schnell vergisst man doch wieder. Nur die Augenringe bleiben. Vermutlich nun ein Leben lang oder mutieren schleichend zu Permanent-Tränensäcken. Aber hey, we dit it.

Und wie konnten wir die fiesen Schmerzen etwas lindern?

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Zum Einen war da unsere allerliebste Sophie, die Giraffe, die wir leider bereits ein Mal ersetzen mussten. Bei einem Ausflug ging sie tatsächlich verloren, da wir sie ÜBERALL dabei hatten. Zum Glück gehört sie längst zu den Klassikern und kann problemlos ausgetauscht werden, ohne dass das Kind es bemerkt. Sie besteht aus 100% unbedenklichem Naturkautschuk, ist mit qualitativ hochwertiger Lebensmittelfarbe bemalt und regt mit ihrem Aussehen, ihrer Form und deren Quietschen alle Sinne an. Auch der orange Beissring, den es gleich dazu gab, wird heute noch sehr geschätzt.

Auf die Veilchenwurzel hat mich damals Henrik’s Osteopathin gebracht und ist eine natürliche Alternative zum Beissring aus Plastik. Sie wird durch das Kauen und Sabbern weich und elastisch und kommt oft als Zahnungshilfe zum Einsatz. Durch das Kauen werden angeblich schmerzlindernde Inhaltsstoffe freigesetzt. Befestigt an einer Schnullerkette wie diese hier ging sie uns nie verloren und war gleich etwas hygienischer. Zur Desinfektion soll man sie in regelmässigen Abständen mit kochendem Wasser übergiessen. Für die späteren Backenzähne sollte dann eine etwas grössere Veilchenwurzel gewählt werden.

Auch die kleine versilberte Babyrassel in Hasenform, die wir zur Geburt geschenkt bekommen haben, dient beim Zahnen zur Kühlung. Sie ist leicht, handlich und bimmelt so schön. Das auf hochglanzpolierte Silber wirkt zudem antibakteriell. Ideal. So süss und mal überhaupt nicht 0815.

An kühlende Beissringen für den Kühlschrank gibt es jede Menge Auswahl. Wie z.B. die Milette Fische oder einen von MAM, der selbst Backenzähne erreicht, oder einen extra Kleinen für die ganz Kleinen ab zwei Monaten (hier) und und und. Hier kommt es ganz auf Geschmack der Eltern und vor allem Alter und Vorliebe des Kindes an. Unser von Chicco war ebenfalls ein Geschenk zur Geburt und ist für ein Alter ab ca. 6 Monaten geeignet.

Als Zahngel haben wir nebst den Osanit Globuli den natürlichen von Osa verwendet. Er enthält Kamillen-, Nelken-, Salbei- und Pfefferminzöl sowie Propolis-Tinktur und kühlt, beruhigt und pflegt das gereizte Zahnfleisch. Es schützt vor Entzündungen und ist zudem zuckerfrei.

Anstelle von den Osanit Globuli bekam ich den Hebammen-Tipp für die homöopathischen Einzeldosen Camilia von Boiron, die wir oft verwendeten und noch etwas einfacher zu verabreichen sind. Der enthaltene homöopathische Wirkstoff Chamomilla lindert die Schmerzen während des Zahnens, ist fiebersenkend und beruhigend. Phytolacca decandra ist ebenfalls ein geeignetes Mittel beim Zahnen, insbesondere bei starkem Verlangen auf etwas zu beissen. Es lindert ebenfalls die Schmerzen und ist fiebersenkend. Rheum ist ein Mittel gegen Durchfall, was beim Zahnen oftmals als Nebenerscheinung auftritt.

Des Weiteren gab ich ihm später so mit ca. 6 Monaten kühlende Gurken- oder Karottensticks aus dem Kühlschrank (Achtung wegen Verschlucken!), ging viel mit ihm an der frischen Luft spazieren, haben ganz viel gekuschelt, Lieder vorgesungen und alles was sonst noch von den Schmerzen ablenkt.

Erst konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie mein Baby mit Zähnen dann aussehen soll. Und jetzt ist das breite Grinsen mit den vielen süssen Milchzähnen nicht mehr wegzudenken.

Bilder: © Fräulein Tiger

Gesund durch den Winter

Haaatschiii! Gesundheit!

Ein Standard-Satz in der jetzigen kalten Jahreszeit. Insbesondere dort wo Kinder auftauchen und ein Virus nach dem anderen die Runde macht. Die Luft ist trocken, zum Spielen trifft man sich jetzt öfters drinnen und die Immunsysteme der kleinen Knirpse müssen erst noch trainiert werden. Ideale Bedingungen also für diese fiesen Grippe- und Erkältungsviren.

Da ich in solchen Fällen oder im Allgemeinen zuerst immer auf natürliche Weise versuche den Genesungsverlauf zu unterstützen, greife ich erst zu fiebersenkenden Mitteln oder anderen schulmedizinischen Arzneimitteln wenn ich merke, dass das Fieber zu hoch ist, er darunter leidet, Schmerzen hat oder es andere Auswirkungen haben könnte. Da höre ich stets auf mein Bauchgefühl und komme bis jetzt so ganz gut zurecht.

Ich bin keine Impfgegnerin. Nein, mein Kind ist auch geimpft, jedoch finde ich es doch etwas gar früh für so einen kleinen Organismus wie es der Impfplan bei uns vorsieht. Zudem empfinde ich auch nicht jeden Impfstoff als nötig oder gar unbedenklich. Wir haben deshalb die Impfungen etwas später als üblich durchgeführt und wirklich nur, wenn ich wusste, dass der kleine Mann auch zu 100% fit ist. Die Impfungen können gerade auch in solchen Fällen wie bei Kindern mit Neurodermitis einen akuten Schub verschlimmern oder manchmal auch auslösen. Doch gerade auch wenn man impft, soll das Immunsystem etwas arbeiten und nicht beim kleinsten Fieberanzeichen Gegenmassnahmen getroffen werden. Dies ist aber meine Meinung und kommt immer auf die entsprechende Situation an. Da unser Kind nicht in die Kita geht, kommt er natürlich auch nicht gleich mit Krankheitserregern in Berührung wie fremdbetreute Kinder.

FIEBER – EINE SCHUTZ- UND HEILREAKTION DES KÖRPERS

Von Fieber spricht man bei Babies und Kindern ab einer Körpertemperatur von 38,5 °C oder darüber. (Als kleiner Anhaltspunkt, die normale rektale Köpertemperatur beträgt zwischen 36,5 und 37,5 °C). Vorher sollte auch nicht eingegriffen werden. Denn Fieber ist ja grundsätzlich eine tolle Sache. Viren und Bakterien können sich bei solchen Temperaturen schlecht vermehren, werden bekämpft und das Immunsystem wird zugleich angekurbelt. Jedoch kann dies für solch kleine Knöpfe eine ziemliche Belastung sein. Manche Kinder spielen auch noch bei hohem Fieber und sind vielleicht einfach etwas müder als sonst, andere hingegen sind anhänglich, weinerlich und wirken ziemlich abgeschlagen. Hier muss von Fall zu Fall entschieden werden und natürlich die Ursache bekannt sein. Gehen wir nun einfach mal von einem gewöhnlichen und zu dieser Jahreszeit typischen viralen Infekt aus. Nebst Zäpfchen, Sirup und Co können zum Beispiel auch korrekt angelegte Wadenwickel (nur bei warmen Händen und Füssen!) zur Fiebersenkung von hohem Fieber beitragen.

BEI SCHNUPFEN UND HUSTEN

Eine verstopfte Nase ist für die Kleinen besonders unangenehm. Trinken und Schlafen werden zur Herausforderung, schnäuzen unmöglich und die Nasenschleimhaut ist trocken und angeschwollen. Damit der Schnupfen nicht in eine Mittelohrentzündung ausartet, sollte das Nasensekret flüssig gehalten werden. Dies geht z.B. mit physiologischer Kochsalzlösung (bei Stillkindern kann man auch Muttermilch in die Nase einträufeln), durch das Befeuchten der trockenen Luft (z.B. durch Aufhängen von feuchten Tüchern), einer frisch aufgeschnittenen Zwiebel neben dem Bettchen (Döner Bude hallo) und viel Trinken. Kuhmilch sollte jedoch etwas reduziert oder verdünnt werden, da sie eine sehr verschleimende Wirkung hat. Damit das Sekret abfliessen kann, eignet sich eine erhöhte Lage des Oberkörpers. z.B. einen Keil unter die Matratze legen oder das Bettende mit Büchern oder ähnlichem leicht erhöhen. Auch ein warmes Bad eignet sich gut. Auf ätherische Öle sollte aber unbedingt verzichtet werden, da diese Atemnot auslösen können. Zudem bekommen viele Kinder davon Hautausschläge. Das wunde Näschen kann man mit etwas Bepanthen Salbe oder ähnlichem pflegen.

Auch bei Husten ist eine leicht sitzende Stellung angenehmer als flaches Liegen. Hier kann man dieselben Massnahmen wie beim Schnupfen treffen. Oft kommen die beiden Beschwerden ja auch im Doppelpack. Auch hier hilft eine aufgeschnittene Zwiebel, befeuchtete Luft, viel Trinken und auf Kuhmilch zu verzichten oder diese zu reduzieren. Auch Bananen haben eine verschleimende Wirkung und sind bei Husten mit Schleim ebenfalls nicht zu empfehlen. Honig sollten Babies aufgrund des Bakteriums Clostridiums, das zu Lähmungen und gar zum Tod führen kann, frühestens ab dem Ende des 1. Lebensjahres zu sich nehmen. Danach ist Honig bei Husten und Halsschmerzen ein sehr gutes Heilmittel.

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1 ) Physiologische Kochsalzlösung gehört bei mir immer in die Haus- sowie Taschenapotheke. Dabei greife ich jeweils auf die Monodosen von Naaprep zurück. Die eignen sich unterwegs auch wunderbar um Wunden zu spülen oder auch um die Augen bei Verunreinigungen zu säubern. Die sind steril und lassen sich relativ gut dosieren. Zuhause mögen wir aber den Spülspray Triomer mit isotonischem Meerwasser fast lieber. Mit dem weissen Aufsatz für Säuglinge und Kleinkinder wird ein sanfter Sprühnebel hoch hinauf in die Nasenöffnung befördert und fühlt sich auch nicht so kalt an wie die Tropfen aus den Monodosen, was die Kleinen meist lieber mögen. Die Monodosen könnte man natürlich in einer Tasse mit warmen Wasser ebenfalls körperwarm erwärmen. Dies dauert mir jedoch einfach zu lange. Da sich diese fiesen Bazillen meist irgendwann auch auf mich übertragen, kann ich dann mit dem blauen Aufsatz für Erwachsene ebenfalls die Meersalzspülung benutzen. Winwin sozusagen.

2) Seit der kleine Tiger auf der Welt ist, oder sogar unterwegs war, ich mich danach schon früh mit seiner Neurodermitis und anderen Wehwechen auseinandersetzen musste, fand ich den Weg zur Homöopathie. Ich kaufte bei meiner damaligen Homöopathin eine Taschenapotheke mit den gängisten Mitteln in C-Potenzen, las mich ein und kaufte das von ihr empfohlene Buch: Homöopathische Selbstbehandlung in Akutfällen. Die Apotheke ist mittlerweile schon etwas grösser geworden und hilft uns zusammen mit dem Buch schnell und einfach das richtige Mittel zu finden. Ich hüte sie wie ein Schatz und würde sie nicht mehr missen wollen.

3) Eins meiner allerliebsten Bücher in Sachen Gesundheit ist das Buch Natürliche Heilmittel. Viele verschiedene und sanfte Heilungsmethoden mit natürlichen Hilfsmittel werden ausführlich beschrieben, sind mit Bildern einfach nachzuvollziehen und die Extra Sparte für Säuglinge und Kleinkinder schätze ich natürlich besonders. Dieses Buch ist meiner Meinung nach jeden Rappen wert und hat uns schon so oft geholfen.

4) Globuli sind nicht gleich Globuli. Die Infludoron-Globuli von Weleda gehören zu den anthroposophischen Globuli, sprich mit potenzierten Auszügen von Heilpflanzen und Mineralien. Also nicht homöopathische, wo ein Mittel nach einem individuellen Symptom- /oder Krankheitsbild bestimmt wird. Die Globuli eignen sich besonders zur Behandlung von Grippe, grippalen Infekten und fieberhaften Erkältungskrankheiten und sind bei Kindern und Kleinkindern ab zwei Jahren gut geeignet.

5) Die klassische Homöopathie verwendet jeweils immer nur ein einziges Mittel. Dafür muss man sich aber etwas auskennen, das geeignete Mittel finden und dann auch noch zur Hand haben. Beim homöopathischen Hustensirup für Kinder von Omida werden als Komplexmittel verschiedene geeignete Mittel für Reiz- und Bronchialhusten zusammengestellt. Dieser hat bei uns bei den ersten Anzeichen schon oft sehr gut geholfen und der kleine Tiger würde am liebsten aufgrund der Süsse die ganze Flasche leer trinken.

6) Die Strath Kräuterhefe enthält 61 Vitalstoffe und gibt es für Kinder und Erwachsene als Sirup oder als geschmacksneutrale Tropfen. Die Tropfen haben jedoch einen ziemlich hohen Alkoholgehalt, wobei mir die Drogistin erklärt hat, dass dies bei einer Menge von 3x täglich à 7 Tropfen nicht mehr als ein Biss einer reifen Banane entsprechen würde. Wir greifen aber trotzdem lieber zum Sirup, der hingegen sehr intensiv im Geschmack ist. Dem kleinen Mann schmeckt dieser aber sehr, was mir bis heute ein Rätsel ist. Die Vitalstoffe der Kräuterhefe tragen jedoch zur schnelleren Genesung bei und stärken die körpereigenen Abwehrkräfte.

7) Als ein weiteres Heilmittel dient uns jeweils ein individuell zusammengestellter Spagyrik-Spray, den man in einigen Drogerien mit einer erfahrenen Fachperson zusammenstellen kann. Dieser wird aus ein paar wenigen jedoch mehreren geeigneten spagyrischen Essenzen, die aus Heilkräuter gewonnen werden, gemischt. Kinder bis 4 Jahren kann man gemäss meinem Wissen 3 x täglich 1 Sprühstoss (z.B. auch auf den Nuggi gesprüht) verabreichen. Da bei uns Schnupfen und Husten meistens zusammen einher gehen, haben wir dafür speziell einen Spray machen lassen. Dieser darf gemäss unserer Homöopathin auch nebst dem homöopathischen Mittel angewendet werden.

8) Die Zwiebel. Sie gilt in vielen verschiedenen Bereichen als gesundheitsfördernd. Auch bei Schnupfen und Husten erweist sie uns ihren Dienst. Eine frisch aufgeschnittene Zwiebel oder klein gehackt in einem Säckchen kann man sie in einem Mindestabstand von 30 cm neben das  Baby- oder Kinderbett stellen oder hängen. Dies befreit die Nase und erleichtert das Atmen. Zusammen mit braunem Zucker oder Honig gibt es zudem viele Rezepte für einen selbstgemachten Hustensaft.

9) Bei einer Erkältung, im Winter bei kalter Zugluft, in trockenen geheizten Räumen oder auch wenn der Tränenkanal des Neugeborenen noch nicht geöffnet ist, können sich die Augen rasch entzünden oder sind etwas gereizt. Nebst auswaschen mit lauwarmen (abgekochten) Wasser (ca. 3 x täglich) haben wir mit den Euphrasia Augentropfen von Omida sehr gute Erfahrungen gemacht.

10) Trinken ist bei solchen Erkältungen das A und O. Entsprechende Tees mit geeigneten Heilpflanzen können da einen guten Beitrag leisten. In Deutschland gibt es von Sidroga einen Kinder-Erkältungstee sowie einen Kinder-Hustentee. Diese sind in der Schweiz leider nicht erhältlich. Die Zusammensetzungen finde ich aber super und wäre froh, wenn es diese auch hier zu kaufen gäbe. Denn der Erkältungstee besteht aus einer Mischung aus Holunderblüten, Lindenblüten, Thymian, Bitterfenchel und Malvenblüten. Bei fieberhaften Erkältungen mache ich dem kleinen Mann selbst jeweils eine Mischung aus schweisstreibenden Holunderblüten, Lindenblüten und schleimlösendem Fenchel, die oft gut nützt. Die deutsche Hustenmischung besteht aus Anis, Lindenblüten und Thymian und lindert Symptome sowohl von Reiz- als auch Bronchialhusten. In der Schweiz besteht die Kinderteemischung aus den Wirkstoffen der Eibischwurzel, Schlüsselblumenblüte, Spitzwegerichblätter, Süssholzwurzel und Thymian und ist hauptsächlich für schleimbildenden Bronchialhusten geeignet.

Da bei uns ein neuer Virus bereits wieder zugeschlagen hat, kümmere ich mich nun wieder um den kleinen Patienten und bete für eine gute Nacht…

Gute Besserung und kommt gesund durch den Winter!

Dieser Beitrag basiert auf keinem medizinischen- oder anderem Fachwissen, sondern ist lediglich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen entstanden.

Bilder: © Fräulein Tiger

Aller Anfang ist schwer …

Ok nicht aller. Aber derjenigen, die ebenfalls kein Anfängerbaby hatten und zu der Sorte Eltern mit anspruchsvollen Babies gehören. Und dies kommt nicht gerade selten vor. Auch wenn oftmals nur der Anschein gewahrt wird.

Gut meins ist jetzt kein Baby mehr, jedoch nach wie vor ein hochsensibles (Klein)Kind. Das ich so über alles liebe. Unsere Anfangszeiten waren aber nicht immer rosig, sprich vor allem die ersten 4,5 Monate. Das wurde mit all den schönen Momenten, die ich bisher mit meinem kleinen Mann verbringen durfte, natürlich schnell verdrängt und etwas in Vergessenheit geraten. Aber der Bericht über das Leben mit anspruchsvollen Babies, indem die sympathische Isabel vom Blog littleyears über ihr bereits zweites „Hardcore-Baby“ so unverblümt preis gibt, wie es sich in solch einer Situation als Mutter anfühlt, hat mich gleich dazu ermutigt, ebenfalls über unsere harzigen Anfangszeiten zu berichten.

Wie ich bereits zu Beginn (hier) geschrieben habe, dass meine Schwangerschaft manchmal einer Berg- und Talfahrt glich, war die Zeit nach der Geburt unseres Sohnes ebenfalls kein besonderer Zuckerschleck. Bis der kleine Mann auf der Erde angekommen ist und sich dort auch wohl fühlte, dauerte es etwas länger als bei anderen.

Der Lieblingsmann und frisch gebackene Papa musste uns aufgrund einer „Geschäftsreise“, noch während wir uns im Spital von der sehr strengen und langen Geburt erholten, verlassen. In der Zeit des Babyblues, in der man doch einfach nur als Familie zusammen sein wollte, sich gegenseitig an das kleine Wunder und die neue Situation gewöhnen möchte und sich von den Strapazen der Geburt erholen sollte. So wurden wir nun von der kränkelnden Oma nach Hause in die leere Wohnung chauffiert. Und da waren wir. Nur mein kleines Baby und ich. Und die vorher eingefrorenen Mahlzeiten. Die mir zur Stärkung dienten fürs Stillen mit diesen anfangs noch wunden Brustwarzen, dem lästigen Husten, den ich in der winterlich kalten Bise im Spitalzimmer noch eingefangen hatte. Beim Versuch ihn mit Hustentee auszukurieren, bekam der kleine Mann sogleich Durchfall und damit vermutlich schon den ersten wunden Po. Ach herrje, wer konnte denn ahnen, dass das gar nicht so einfach ist. Für dieses kleine bezaubernde und zerbrechliche Wesen war ich ab sofort verantwortlich. Dies machte mich unglaublich stolz, erfüllte mich mit Glück, jedoch kamen damit natürlich auch die Ängste und Sorgen. Für genau solche Ängste und Sorgen junger Mütter und Väter sind in der ersten Zeit die Hebammen vor Ort. Dann die Mütterberaterinnen und die Kinderärzte.

In der ersten Woche lief, abgesehen davon, dass sich ein fieser Nabelbruch entwickelte, die Brustwarzen schmerzten und ich mich vor lauter Milch kaum retten konnte, der Babyblues aufgrund der Abwesenheit des Ehemannes etwas verstärkt war und das Kind ein echtes Spuckkind war, eigentlich alles ganz passabel. Doch dann nahm das Unwohlsein des kleinen Tigers zu. Er fand nur noch zur Ruhe, wenn ich ihn ständig bei mir hatte, ihn bei mir wegen des furchtbaren Refluxes eher aufrecht schlafen liess und ihn zur Vermeidung von Überreizung vollkommen abschirmte. Gegen das Bauchweh wurde sämtliches ausprobiert, durch das Schreien wurde der Nabelbruch grösser und man machte mir Angst, dies operieren zu müssen. Der Kinderarzt nahm mir dann aber schnell diese eine Sorge. Der Nabelbruch verschwand dann doch bereits nach einigen Monaten aufgrund zunehmender Bauchmuskulatur.

Durch die kalte Jahreszeit und den eisigen Spaziergängen und den noch verschlossenen Tränenkanälen entwickelten sich insgesamt drei Augenentzündungen, wobei wir zuhause bleiben mussten. Eine richtige Strafe für mich. Das Kopflüften wäre in dieser strengen Zeit mehr als nötig gewesen. Gegen das Überstrecken, die Krämpfe usw. gingen wir zum Osteopathen und zur Cranio Sacral Therapie. Dort war er dann oft grad sehr entspannt, weil er zuvor getrunken hatte und bei der Autofahrt oder auf der Spazierfahrt ein Nickerchen machen konnte. Ich lernte aber ein paar Tipps und Tricks und konnte diese dann auch gut anwenden. Gegen das Spucken half es leider gar nicht. Dies war organisch bedingt und hielt bei uns tatsächlich ein Jahr lang an. Besserte sich jedoch erstmals mit dem ersten Brei.

Ein ominöser Mund- und Brustsoor machte uns das Leben schwer und ich endete im Sterilisierungswahnsinn. Mit trockenen, spröden und wunden Händen, erkannte ich mich selbst nicht mehr. Nach erst anfänglichen Säuglingsekzemen und Milchschorf folgte dann schlussendlich die Diagnose atopische Dermatitis (auch bekannt als Neurodermitis), als sein Gesichtchen völlig entzündete Stellen aufwies. Mit 8 Wochen bekam der kleine Mann mehr Mittelchen und Crèmchen, die ich als echter Kosmetikfan je besass. Dann wurde noch meine Überzeugung zur Naturkosmetik, unbedenklichen Inhaltsstoffen und unnötiger Medizinvergabe in Frage gestellt. Mein Mamaherz weinte. So haben wir uns das doch alles nicht vorgestellt. In einer Welt, in der sonst eigentlich immer alles nach Plan lief, lief so überhaupt nichts mehr nach Plan. Einzig die ständig gleichbleibenden Abläufe im zwei Stunden Takt mit Windeln wechseln, stillen (ja ich musste aufgrund des lästigen Refluxes sogar immer vorher die Windeln wechseln, da ansonsten die gesamte Stillmahlzeit früher als sonst in hohem Bogen rauskam), aufstossen lassen, die von Spucke übersäten Kleider, Decken, Bettzeug usw. waschen, die Wohnung einigermassen im Schuss halten und das Kind dann zur Erholung irgendwie zum Schlafen bringen.

Der Göttergatte konnte unser kleines schreiendes Baby selten zur Beruhigung bringen und war danach selbst schweissgebadet, sodass sich mein kleines Äffchen noch mehr an mich klammerte. Dafür verbrachte ich Stunden im Pyjama, konnte es an manchen Tagen nicht ausstehen, dass ich um zwei Uhr nachmittags noch immer aussah wie um 6 Uhr morgens. Nicht, dass ich das ausgiebige Kuscheln nicht wahnsinnig genoss und das kleine Wesen so gerne betrachtete, aber ab und zu möchte wohl jede frisch gebackene Mutter mal wieder ordentlich gewaschen und gebürstet ihrem Spiegelbild begegnen.

Die Babytrage wurde anfangs auch verweigert und die Anbringung war zu Beginn etwas mühsam, sodass ich während seines Schlafs nichts nebenbei machen konnte. Dabei hatte ich so viele Interessen und Ideen denen ich wie sonst auch nachgehen wollte. Wenn er dann in der Trage war, konnte ich mich nicht hinsetzen und schaukelte minutenlang in derselben Position vor mich hin. Dabei war ich doch längst erschöpft und wollte doch einfach mal fernsehen oder mich auf andere Weise erholen. Essen tat ich in der Zeit eigentlich lediglich als Überlebenzweck und fürs Stillen. Genuss, Appetit und Zeit dafür haben sich in Luft aufgelöst. Aufgrund der atopischen Dermatitis liess ich für ihn phasenweise auch immer mehr riskante Lebensmittel weg. Diese ständigen Sorgen, was ihm denn fehlen könnte, was ich falsch machte, Vorwürfe, die ich mir irgendwann zu eigentlich belanglosen Dingen machte, der fehlende Schlaf, diese erdrückenden Ängste bis hin zu Panikattacken, da läuteten bei mir die Alarmglocken und ich wandte mich an meine Mütterberaterin. Diese verwies mich sofort an eine Psychologin, die sich auf post natale Depressionen spezialisiert hatte.

Die Sitzungen taten mir richtig gut und gaben unserem „Fehlstart“ eine gute Wende. Sie erklärte mir, dass solche Depressionen sehr oft vorkommen würden und den Babyblues ablösten, viele Frauen dies jedoch gar nicht bemerkten und einfach auf die strenge Anfangszeit schoben. Diese Depression, das sei aber das Schöne daran, könne so schnell und für immer geheilt werden, wie sie gekommen sei. Im Gegensatz zu anderen Depressionen. Sie hörte mir vor allem zu, damit ich mir meine Sorgen von der Seele reden konnte. Die Psychologin, selbst Mutter einer kleinen Tochter, gab mir deutlich zu verstehen, dass ich am besten wisse, was für mich und mein Kind gut sei und ich fest darauf hören sollte. Die „gut gemeinten“ Ratschläge anderer ignorieren soll und die Mutter-Kind-Beziehung enorm wichtig sei. Wenn wieder Fragen oder ähnliches auftauchten, durfte ich mich an meine Hebamme wenden, für die ich eine Verlängerung bekam. Aber am wichtigsten von allem wäre, dass ich ganz normal sei. Anderen Müttern wären in einer solch strengen Zeit vielleicht schon längst die Sicherungen durchgebrannt, die Liebe zum Kind nahm ab oder ähnliches. Meine Geduld war aber trotz der Anstrengungen glücklicherweise riesig. Die Liebe zu diesem süssen kleinen Baby unermesslich. Ich fühlte mich mit und nach dieser speziellen Geschichte noch mehr mit meinem Kind verbunden, wusste mittlerweile was es brauchte, wann es ihm gut ging und wann nicht, die mütterliche Intuition war zurückgekehrt und umso stärker als zuvor.

Viele Spaziergänge, Sonne tanken, ganz viele Kuscheleinheiten mit dem Kleinen, liebe Freundinnen treffen, Dinge unternehmen, gutes Essen, die Situation akzeptieren, den Blick nach vorne, Vergangenes abhaken, gute Gespräche, vom Perfektionismus und Erwartungen anderer und an sich selbst ablassen, ein entsprechendes Mittel meiner damaligen Homöopathin, das Verständnis meines Mannes und die Unterstützung in meinem Umfeld trugen zur schnellen Genesung bei.

Die Entscheidung mich aufgrund eines spontanen Wohnortswechsels voll und ganz dem Mamajob zu widmen, war für uns das beste überhaupt. So konnte oder kann ich mich nach den Bedürfnissen meines kleinen Tigers richten, ihm die spezielle Pflege aufgrund seiner Neurodermitis und den damit verbundenen Allergien bieten und die Zeit mit ihm und unserer kleinen Familie vollkommen geniessen. Für uns stimmt es so, und das ist das was zählt.

Denn auch die Beziehung als Ehepaar wurde in solch einer Zeit einmal mehr auf die Probe gestellt. Doch das Fundament war glücklicherweise schon vor langer Zeit gesetzt, der Lieblingsmann lernte bald dazu, Verantwortung zu übernehmen und für seine Familie zu sorgen, hatte bald seine, wie er es nannte, positive und fröhliche Frau zurück, die er vermisst hatte, (die ich selbst so vermisste) und einen so wunderbaren Sohn, der sich nun ebenfalls endlich pudelwohl fühlte.

Wie auch Isabel, hoffen natürlich auch wir, dass das zweite Kind, sofern es denn eines geben wird, doch eher zur Sorte Chilly-Vanilly-Easy-Peasy-Schlafkind gehören wird. Und wenn nicht, werden wir das Kind schon schaukeln. ;)

Babyblues post natale Depression