Brüder {Geschwister}

Brüder

Obwohl ich selber als Einzelkind aufgewachsen bin, was natürlich auch ganz schön war und bestimmt auch viele Vorteile mit sich brachte, war für mich eines immer klar: Ich wollte gerne, sofern die Natur, die Liebe und alle anderen Faktoren mitspielen, mindestens mal zwei Kinder haben. Denn besonders an Sonn- und Feiertagen oder in den Ferien sehnte ich mich doch sehr nach einem Geschwister. Immer Freunde oder Verwandte einladen zu müssen, ist halt doch nicht das Gleiche, wie wenn man nur unter sich ist.

Und wie ihr natürlich wisst, meinte es das Schicksal gut mit mir. Mit uns. Gleich zwei gesunde Kinder durfte ich zur Welt bringen und dafür bin ich jeden Tag unendlich dankbar.

Für den kleinen Tiger brauchten wir etwas Geduld und Zuversicht, wie ihr hier und hier bei Interesse nachlesen könnt. Doch der Babytiger gesellte sich dann ganz flott in die Runde, welche positive Erfahrung ich auch keinesfalls missen möchte.

Und nun sind wir bereits seit 8 Monaten zu viert. Da geht es natürlich bei einer 24/7 Betreuung nicht immer nur rosig wolkig und tralala zu und her. Hell no. Soll es auch nicht. Wär ja langweilig. Und langweilig wird es einem mit einem Bruder oder Geschwister bestimmt nicht. Und der Mama natürlich auch nicht…

Ein kleiner persönlicher Rückblick aus den vergangenen Monaten:

Da wurde 9 Monate lang ganz gespannt die wachsende Kugel und das hüpfende Etwas auf dem Ultraschallmonitor verfolgt und doch das Ausmass eines Geschwisters noch gar nicht recht verstanden. Wie denn auch, wenn man es nur von Büchern und Hörensagen kennt. Wir wussten schliesslich ja auch noch nicht was genau auf uns zukommen wird. Doch dann war es soweit.

Die Geburt kurz und schmerzlos. Hahahaha erwischt. Immerhin kurz. Nachts während du, mein Grosser, geschlafen hast. Genau so wie ich es mit deinem kleinen Babybruder vereinbart hatte. Ein letztes Mal nach 2 3/4 Jahren dich als „Einzelkind“ ins Bett bringen. Lange hat es gedauert bis du schlafen konntest. Spürtest vermutlich auch, dass etwas Grosses vor sich ging. Die Wellen kamen fast minütlich beim Gutenachtgeschichte-Erzählen. Ich saugte diesen „letzten“ Moment ein und versuchte mich gleichzeitig auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten.

Und dann kamst du, mein Kleiner. Geflasht von der Gefühlsexplosion von diesem erneuten grossen Wunder konnte ich in dieser Nacht kein Auge zumachen. Viel zu schön war dieser Moment. Das Kennenlernen. Das Beschnuppern und das Spüren wie mein Herz sich für einen weiteren Lieblingsmenschen vergrösserte. Verdoppelte. Zack, einfach so.

Der nächste Tag. Euer Papa war bereits wieder frühmorgens nach Hause gekommen, um die guten Nachrichten dem stolzen grossen Bruder zu überbringen, wonach sofort der erste Besuch im Krankenhaus folgte.

Da lag er nun. Der kleine Bruder, schlafend und erholend von der Ankunft auf dieser hellen neuen Welt. Und du mein Erstgeborener kamst mir mit einem Mal riiiiesig vor. Etwas wehmütig und doch voller Stolz und Liebe durfte ich zusehen, wie du deinen kleinen Bruder so liebevoll begrüsst hast. Ich konnte mir und kann mir bis heute keinen besseren grossen Bruder vorstellen.

Die ersten Tage daheim waren wie in einer rosa Wolke. Nur wir vier. Alles genau so wie wir es haben wollten. Kein einziges Mal musste ich dich ermahnen, vorsichtig und zärtlich zu deinem kleinen Bruder zu sein. Du achtetest ganz genau drauf, dass du ihm nicht weh tust oder es ihm gut geht. Bis heute. Every single day. Dafür bin ich so dankbar und machte die neue Situation um ein Vielfaches einfacher.

Doch da waren auch die abendlichen Schreistunden, das Runterfahren, das Ankommen, alles was sehr viel Zeit für den Babytiger abverlangte. Deine traurigen Äuglein zu sehen, wenn du ach so geduldig auf deine heissgeliebten Gutenachtgeschichten warten musstest. Das brach mir schier das Herz. Gleichzeitig zerriss es mich innerlich, wenn der Babybruder im Bettchen weinte, während ich dem grossen Bruder die Windeln wechseln musste, ihn trösten musste, weil er gestürzt ist oder in anderen unpässlichen Situationen. Dass ich mich nun nicht mehr zu 100% nur noch einem Kind widmen kann und euch beiden gerecht werde, daran musste ich mich erst gewöhnen. Bis heute.

Und doch geht ihr beide mit dieser Situation ganz wunderbar um und auch ich komme so langsam ganz gut damit klar. Der kleine Babybruder ist natürlich einfach überall mit dabei, gehört dazu, als wäre es nie anders gewesen.

Die Schlafstündchen des Babytigers werden dafür umso mehr ausgekostet, um bewusst Zeit mit dem kleinen grossen Tiger zu verbringen. Aber auch mit dem Baby in der Trage, im Sling oder im Kinderwagen lässt es sich ganz toll vereinbaren.

Auch du mein Kleiner wächst und gedeihst. Strahlst über beide Ohren, wenn der grosse Bruder in der Nähe ist. Bist sein grösster Fan und kicherst wie wild, wenn der Grosse lustige Dinge vorführt. Möchtest einfach alles nachmachen und eiferst wie verrückt deinem Bruder nach. Da wurde mit 5 Monaten bereits gerobbt und die Wohnung unsicher gemacht. Die orale Phase in der Hochkonjunktur. Und mittlerweile 6 Zähne reicher.

Und dann konnte der Kleine plötzlich auch dem Grossen etwas beibringen. Sich zu wehren. Sein Spielzeug immerhin vor dem kleinen Bruder zu verteidigen und zu beschützen. Zerknitterte und versabberte Spielsachen, die mein Grosser so sorgfältig hegt und pflegt, kann er so gar nicht ausstehen. Kompromisse werden von nun an gemacht. Das Geschwister-Dings ist natürlich Neuland für mich. Doch umso mehr freue ich mich für euch, dass ihr einander habt.

Ihr zusammen Bücher anschaut, Spielsachen erkundet, euch ein Zimmer teilt, zusammen lacht, kuschelt und vieles mehr. Und euch natürlich auch „zankt“, einander nervt und dann wieder verträgt. Und eines ganz sicher ist: Dass ihr euch trotz allem wahnsinnig gern habt.

Und wenn ich im Auto dann auf die Rückbank schaue, die beiden kleinen Knöpfe sehe, wie sie lachen, erzählen, brabbeln, toben, schlafen oder anderen Schabernack da hinten treiben, dann geht mir das Herz auf. Es fühlt sich so komplett an. Meine Familie. Meine Jungs. Meine Liebe. Mein Glück.

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Bilder © Nadine Trolp / Fräulein Tiger

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5 Gedanken zu „Brüder {Geschwister}

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